KAMPFTRAINING

Freitag, 9. bis Sonntag, 11. Oktober 2026 · Hollenthon und Spratzeck, mit Martin Mollay

Drei Tage im Rückblick

Drei Tage Kampftraining in Hollenthon und Spratzeck mit Martin Mollay. Dieses Protokoll fasst zusammen, was vom 9. bis 11. Oktober 2026 vermittelt wurde — zum Nachlesen, zum Erinnern und zum Weiterüben im Alltag.

09.–11.10.2026

1. Grundgedanke

Kampftraining beginnt nicht bei der Technik, sondern bei der Frage, wofür du überhaupt übst. Viele Trainings wiederholen Bewegung um Bewegung, ohne dass klar wird, wozu. An diesem Wochenende galt der umgekehrte Weg: Erst verstehst du, was in deinem Körper und in der Situation geschieht, dann übst du. Eine Technik, deren Sinn du kennst, bleibt hängen — eine Technik ohne Wofür vergisst du im entscheidenden Moment.

Ein Gedanke zog sich dabei durch alle drei Tage: Die Welt ist ein Spiegel. Wie du ihr begegnest, so antwortet sie dir. Wer angespannt, ängstlich oder aggressiv auftritt, ruft oft genau das hervor. Wer ruhig, klar und aufmerksam ist, verändert damit schon viel, bevor überhaupt etwas passiert.

Ebenso wichtig: Alles kann Werkzeug sein. Ein Stock, ein Stift, ein Gürtel, ein Gegenstand aus der Küche — wer einmal begriffen hat, dass die Dinge um uns mehr können als ihren alltäglichen Zweck, schaut seine Umgebung mit anderen Augen an und ist nie ganz mit leeren Händen.

Reife statt Kraft: Wer jung ist, arbeitet gern mit Kraft. Mit der Zeit stellt sich die Frage, warum man Energie gegen den anderen verschwenden sollte. Darum gilt: nie Kraft gegen Kraft. Du nimmst die Energie deines Gegenübers auf und leitest sie weiter — wie ein Baum im Wind, der sich biegt, statt zu brechen. Daraus folgt der vielleicht wichtigste Satz des Wochenendes: Die höchste Kampfkunst ist, gar nicht kämpfen zu müssen.

Jeder entwickelt mit der Zeit seinen eigenen Stil. Du schaust dir an, was andere gut machen, nimmst mit, was zu dir passt, und findest daraus deinen eigenen Weg — und gerade das macht dich schwer berechenbar. Voraussetzung dafür ist Präsenz: Lernen kann nur, wer wirklich da ist, mit Körper und Kopf im Moment. Und über allem steht eine klare Grenze: Gewalt nur zur Selbstverteidigung, niemals, um etwas zu beweisen.

Leitsatz des Wochenendes: „Langsam ist flüssig, und flüssig ist schnell.“

2. Ablauf

Freitag, 9. Oktober. Der erste Tag begann mit dem Kennenlernen und damit, die Gruppe und den Raum zu spüren. Zum Einstieg ging es um Wahrnehmung und Instinkt — die drei Urreaktionen Erstarrung, Flucht und Angriff. Danach folgten Fallschule, Hebel, Schocktechnik und Schläge.

  • Nachmittag, Stock im Buchenwald: der eiserne Ring, Achterkreise und Partnerübungen.
  • Pflanzenkunde am Weg: Spitzwegerich, Brennnessel, Bucheckern und Vogelmiere.
  • Abend, Messerabwehr: Distanz ist Phase eins, dann fliehen, Gegenstände aus der Umgebung nutzen. Dazu Befreiung aus Griffen und Bodenkampf.

Samstag, 10. Oktober. Der Tag startete mit einem Yoga-Flow unter der Tugend Sanftmut, um den Körper zu wecken und den Atem zu sammeln.

  • Hebel und Würfe
  • Stockarbeit in Spratzeck
  • Mentaltraining
  • Heimweg-Szenario — das Geübte in einer Situation, wie sie im Alltag vorkommen kann
  • Lockeres Sparring, ohne Treffer ins Gesicht
  • Baumumarmung
  • Am Abend gemeinsames Essen und Feuer

Sonntag, 11. Oktober. Der letzte Tag war spielerisch angelegt.

  • Reifen- und Stockspiel
  • Messerabwehr: die Waffenhand fixieren
  • Waffenkunde mit der Gasdruck-Übungspistole
  • Blindes Üben — du verlässt dich ganz auf dein Gefühl statt auf die Augen
  • Zum Abschluss Frühstück auf der Terrasse

Der Rhythmus. Gearbeitet wurde in intensiven Einheiten von etwa eineinhalb Stunden. Dazwischen blieb bewusst Zeit für Essen, Natur und Sauna. Diese Pausen sind kein Beiwerk: In ihnen setzt sich, was der Körper vorher gelernt hat.

Ausblick. Ein Termin am Schießplatz Leobersdorf unter der Woche ist geplant.

3. Wahrnehmung

Als Lehrbild diente das Reh. Spürt es Gefahr, reagiert es auf eine von drei Arten: Es erstarrt, es flieht, oder es greift an. Genau diese drei Reaktionen stecken auch in uns. Wer sie kennt, erkennt sie bei sich selbst — und kann bewusster entscheiden, statt nur zu reagieren.

Anders als das Reh, das nach der Gefahr wieder zur Ruhe kommt, leben viele Menschen in einer Dauer-Anspannung. Der Körper bleibt im Alarm, ohne dass eine echte Gefahr da ist. Das kostet Kraft und trübt die Wahrnehmung. Ziel ist das Gegenteil: entspannt und gleichzeitig wach sein.

Dabei helfen Intuition und Instinkt. Der Instinkt reagiert schnell und körperlich, die Intuition meldet sich oft als leises Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Beide verdienen Vertrauen. Ergänzt werden sie durch die 360-Grad-Regel: Du nimmst nicht nur wahr, was vor dir liegt, sondern das ganze Umfeld — seitlich, hinter dir, oben und unten.

Wenn sich eine Situation zuspitzt, ist die erste Phase immer die Distanz. Abstand schafft Zeit, und Zeit schafft Möglichkeiten. Geh ruhig, nicht hastig — Ruhe strahlt Sicherheit aus und hält deinen Kopf klar. Zeig deinem Gegenüber mit Haltung und Blick: „Ich sehe dich.“ Wer weiß, dass er wahrgenommen wird, verliert den Überraschungsmoment. Und lass einen Ausweg: für dich selbst, aber auch für dein Gegenüber. Wer keinen Ausweg mehr sieht, wird gefährlich; wer gehen kann, geht meist.

4. Fallschule, Atmung und Yoga

Die Fallschule ist eine der wichtigsten Grundlagen überhaupt, denn Stürze passieren nicht nur im Kampf, sondern auch im Alltag. Oberste Regel ist, den Kopf zu schützen. Der Aufprall wird nicht hart abgefangen, sondern die Energie wird abgeleitet — über die Fläche des Körpers und über die Bewegung, statt über ein einzelnes Gelenk.

Entscheidend ist der Atem: Beim Aufprall atmest du aus. So bleibt der Körper weich und der Schlag verteilt sich, statt dir die Luft zu nehmen. Gleichzeitig hältst du Körperspannung, damit du kontrolliert landest und nicht in dich zusammensackst. Weich und gespannt zugleich — dieser scheinbare Widerspruch ist der Kern der Fallschule.

Gerollt wird über die Diagonale: von der Schulter schräg über den Rücken zur gegenüberliegenden Hüfte, nie über Kopf oder Wirbelsäule.

Das Yoga am Morgen führte denselben Gedanken weiter. Atmung, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung sind keine Ergänzung zum Kampftraining, sondern ein Teil davon. Eine Erkenntnis daraus: Kämpfen ist viel Loslassen. Wer festhält — an Spannung, an Erwartungen, an der eigenen Kraft —, wird steif und langsam. Wer loslassen kann, bleibt beweglich.

5. Hebel, Schock, Schlag, Boden

Bei den Hebeln gilt: das schwächste Glied zuerst. Statt gegen einen starken Arm anzukämpfen, setzt du dort an, wo wenig Kraft viel bewirkt. Dabei arbeitest du knapp am Körper — je näher, desto mehr Kontrolle und desto weniger Kraftaufwand.

Die Schock-Technik ergänzt den Hebel: Ein kurzer, überraschender Reiz unterbricht das Gegenüber für einen Moment, und dieser Moment reicht oft, um sich zu lösen. Beim Schlagen gilt: Handkante statt Faust. Die Faust verletzt schnell die eigene Hand, die Handkante ist robust und vielseitig. Dazu das Prinzip „hart auf weich“: Harte Teile deines Körpers treffen weiche Stellen beim anderen, nie umgekehrt.

Im Bodenkampf entscheidet vor allem, wer mit seiner Energie haushalten kann. Wer hektisch strampelt, ist schnell erschöpft. Ruhig bleiben, Energie sparen und im richtigen Moment handeln ist wirksamer als rohe Kraft.

Beim Sparring wurde all das zusammengeführt — kontrolliert und spielerisch, nicht als echter Kampf. Es geht darum, Erfahrung zu sammeln und das Geübte unter etwas Druck auszuprobieren, ohne jemanden zu verletzen.

6. Stock, Messer, Waffenkunde

Stock. Geübt wurden der eiserne Ring, Achterkreise und Partnerübungen — erst im Buchenwald, am Samstag dann in Spratzeck. Die Achterkreise waren mehr als eine Technikübung: Langsam und gleichmäßig ausgeführt, werden sie fast zur Meditation. Der Atem wird ruhig, die Bewegung fließt, und mit der Zeit kommt das Tempo ganz von selbst. In der Partnerübung wechselte die Dominanz ab: Einmal führst du, einmal folgst du. So lernst du, Energie zu geben und aufzunehmen. Für das Üben zu Hause brauchst du keine besondere Ausrüstung — ein Besenstiel genügt.

Messer. Wer sich gegen ein Messer schützen will, muss zuerst seine Funktion verstehen: wie es geführt wird und was es anrichten kann. Daraus folgt die klare Rangordnung: Distanz zuerst, und wenn möglich fliehen. Gegen ein Messer gibt es keine sichere Technik — Abstand und Flucht sind immer die erste Wahl. Wo das nicht geht, nutzt du Gegenstände aus der Umgebung. Kommt es doch zum Kontakt, wird die Waffenhand fixiert.

Waffenkunde. Geübt wurde mit einer Gasdruck-Übungspistole: Magazin heraus, Patrone auswerfen, repetieren — und die Waffe nie auf Menschen richten. Die wichtigste Regel im Umgang mit jeder Waffe: Sie wird immer geprüft, bevor du sie in die Hand nimmst oder weitergibst — auch wenn du glaubst zu wissen, dass sie ungeladen ist. Dazu gehört auch, das geltende Waffengesetz zu kennen und zu beachten.

7. Hausaufgaben

Die wichtigste Hausaufgabe ist einfach und zugleich anspruchsvoll: Mach jeden Tag eine Bewegung ganz bewusst — langsam und präsent. Das kann ein Achterkreis mit dem Besenstiel sein, ein Fall auf die weiche Matte oder einfach der Weg durch den Raum. Es geht nicht um die Menge, sondern darum, wirklich da zu sein. Dazu:

  • Fallschule täglich
  • Stock: erst langsam, dann schneller
  • Handkanten-Kombinationen und Hebel mit Partner
  • Yoga und Atmung

Denn auch hier gilt: Langsam ist flüssig, und flüssig ist schnell.

Abschluss

Wie hat dir das Kampftraining gefallen? Wir freuen uns über einen Eintrag im Gästebuch.

Lust bekommen, selbst dabei zu sein? Alle Infos und den nächsten Termin findest du beim Kampftraining.